Liquid Democracy auf dem 26C3

Dienstag, 29. Dezember 2009

Den Vortrag über Liquid Democracy des gleichnamigen Vereines auf dem 26C3 habe ich mir per Live-Stream angeschaut. Ich war äußerst skeptisch bezüglich der Frage, ob der Liquid Democracy e. V., vertreten durch Martin Häcker, der ebenfalls Vorstandsmitglied des Berliner Landesverbandes der Piratenpartei ist, die existierenden realen Implementationen mit dem Eigenkonzept des Vereines auf gleicher Ebene nebeneinander stellen würde. Genau hierüber gab es nämlich im Vorfeld ein Streitgespräch.

Die Beschreibung des Vortrages auf dem Kongressfahrplan deutete zunächst gar nicht darauf hin, dass Projekte jenseits des „Direkten Parlamentarismus“ überhaupt Erwähnung finden würden. Umso positiver war ich zunächst überrascht, dass der Vortrag den Punkt »Tools« enthielt, und so offensichtlich auch Drittprojekte Erwähnung finden würden, da der Verein ja selbst keine Software entwickelt hat. Im ersten Teil des Vortrages wurde jedoch zunächst von Daniel Reichert, dem Vorstandsvorsitzenden des Vereines, der vom Verein definierte „Direkte Parlamentarismus“ erklärt. Ein dem Rahmen angemessener Tiefgang, z.B. eine Erklärung, wie Verfahrensabläufe ganz konkret aussehen könnten, fehlte leider.

Der zweite Vortragsteil mit dem Titel »Tools« begann keinesfalles mit einer Darstellung real existierender Implementierungen von Liquid Democracy, sondern mit der Präsentation einer “hypothetischen GUI”, passend zum Eigenkonzept des Vereines. Hierzu wurden Bilder gezeigt, wie eine solche GUI aussehen könnte. Mit “Screenshots” einer nicht-existierenden Software ließe sich zwar vielleicht die Vorstandsetage eines IT-Konzernes beeindrucken, aber angemessen für einen Hackerkongress halte ich soetwas nicht.

Nach dem Ausflug in die Welt des hypothetischen Programmes, wurden ECHTE Programme gezeigt. Zwar hätte explizit erwähnt werden können, dass diese Programme überhaupt gar nichts mit dem „Direkten Paralamentarismus“ des Vereines zu tun haben, aber zumindest wurde auch nicht das Gegenteil behauptet. Die Präsentation der existierenden Programme war ein echter Lichtblick im Vortrag, der zeitlich leider viel zu kurz gekommen ist. Aber an dieser Stelle nocheinmal ein großes Danke an die Vortragenden, dass die Softwareprojekte überhaupt vorgestellt worden sind.

Leider war der zweite Teil des Vortrages sehr schnell zu Ende, und die darauf folgende Fragerunde ebenso schnell. Über wirklich spannende Fragen zu Liquid Democracy konnte nicht gesprochen werden:

Aufgrund der teils sehr heftigen Kritik an den Konzepten des Liquid Democracy e. V. sehe ich mich an dieser Stelle als einer der Entwickler von LiquidFeedback dazu gezwungen, nocheinmal explizit darauf hinzuweisen, dass LiquidFeedback nicht auf den Konzepten des Vereines aufbaut. Wir wollen auch nicht „den Staat abschaffen“, sondern politische Prozesse demokratischer gestalten. Diesem Ziel kommen wir schon näher, wenn sich Mitglieder einer Partei demokratisch organisieren können, ohne hierbei auf Vertreterversammlungen zurückzugreifen zu müssen.

Siehe auch: Die Generation C64 ist alt geworden


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